Fazit

 Nach den Aussagen des staatlichen Bauamtes in Traunstein im Reichenhaller Tagblatt vom 10.12.2011 steht fest:

  • Es gibt nur den Tunnel, oder sonst gar nichts, sagt das Bauamt in Traunstein
  • Der Tunnel bringt eine Entlastung von weniger als 15% auf der Umgehungsstraße
  • Auf der Umgehungsstraße wird durch die Verkehrsreduzierung von 15% eine Lärmreduzierung von -3,8 dB(A) tagsüber erreicht, das ist mit dem Gehör wahrnehmbar, mehr nicht
  • Die Zahlen vom Stadtrat Grübl im Wochenblatt und im Reichenhaller Tagblatt sind schlicht unwahr
  • Lärmschutz können die Anwohner an der Umgehungsstraße vergessen, steht gesetzlich keinem zu, gibt es auch nicht, basta! (sagt das Bauamt in Traunstein)
  • Alternativen kennt das Bauamt nicht, dafür ist deren Tellerrand zu hoch?
  • Wenn dann in 20, 30 oder 40 Jahren ein Tunnelbau kommen würde bedeutet das:
    • Betriebskosten pro Jahr weit über eine Million Euro
    • Zerstörung des Golling als Naherholungsgebiet
    • 1/4-Jährliche Wartungsarbeiten, bei denen eine Woche lang der Tunnel nachts gesperrt wird
    • dabei fließt der Verkehr dann -ohne Nachtfahrverbot- wieder über die Umgehungsstraße

Das sind doch prima Aussichten, die uns die Ratsmehrheit von CSU und FWG da beschert hat

Aber wer will denn dieses Tunnelbauwerk überhaupt haben?
Ich habe bisher nur drei +1 Menschen erlebt, die wirklich hinter diesem Bauwerk stehen:

  1. FWG-Stadtrat Fritz Grübl aus Bad Reichenhall, er kämpft schon so lange dafür, ob er wirklich weiß was da tatsächlich kommen soll?
    Nein, er weiß es nicht! Er weiß nicht was war, was ist, und was kommen wird!
    Das zeigen schon seine vollkommen wirren Horrorzahlen, die er dem Reichenhaller Tagblatt untergejubelt hat. Da steht in der Ausgabe vom 12.11.2011, dass derzeit 42.000 Fahrzeuge über den Gablerknoten rollen. Wenn die BAB-Abfahrt in Schwarzbach kommt -was der Stadtrat in Bad Reichenhall recht einvernehmlich ablehnt- sollen es 48.000 sein. Nun, wer lesen kann -und das dann auch versteht- ist klar im Vorteil, der Stadtrat Grübl gehört nicht dazu!
  2. Baudirektor Sebald König vom staatlichen Bauamt Traunstein, er bekommt Geld für die Planung, eventuell zusätzliche Planstellen, wenn es einigermaßen klappen würde (nicht wie beim Ettendorfer Tunnel) sicher ein entsprechendes Ansehen in Straßenbauerkreisen.
  3. Der hiesige Wahlkreisabgeordnete für den Deutschen Bundestag und momentan noch amtierender BMVBS. Er glaubt anscheinend wirklich, dass man mit solcher Geldverschwendung beim Wähler einen positiven Eindruck schinden kann. Aber die Zeit der Dinosaurier geht sicher bald vorbei. Und dann herrscht wieder Realität im Lande!

Und außer diesem Personenkreis will sich wirklich keiner mehr mit dem Projekt dekorieren!

Warum auch, die neue Planung hat schon wieder fast 2 Millionen Euro verschlungen!
Und nur um einen Erörterungstermin durchzuführen will man eine weitere halbe Million da hinein pumpen

Der Bürgermeister von Bayerisch Gmain hat klar und deutlich verkündet, dass erst einmal die Einwendungen der Gemeinde komplett abgearbeitet werden müssen, bevor man weiter über dieses Projekt spricht. Und da hat er die komplette CSU-Fraktion hinter sich
Der Bürgermeister von Bad Reichenhall steht dem Projekt neutral gegenüber, hat er jedenfalls gegenüber den Salzburger Nachrichten verkündet. Und auch die CSU-Fraktion in Bad Reichenhall hat sich nicht von ihren zusätzlichen Einwendungen abbringen lassen, wie von Hartmann und Schöndorfer vorgebracht.
Und die Geschäftswelt von Bad Reichenhall wehrt sich auch gegen das Projekt, die Tourismusorganisationen halten noch ganz still und hinter dem Berg. Und die Bevölkerung von Bad Reichenhall?

Es interessiert sie nicht im geringsten!
Seit 30 Jahren kommen und gehen die Politiker in Bund, Land und Kommunen. Immer haben sie dieses Monsterprojekt aus der Schublade gezogen, und nie ist auch nur das geringste realisiert worden. Nein, die Kommunalpolitiker haben immer wieder nur auf dieses nutzlose Projekt verwiesen, ohne eine eigenständige, sinnvolle Verkehrspolitik zu betreiben.
Verschlafen? Ja, seit 30 Jahren restlos verpennt oder aber keine eigenen Ideen!

Aber möglicherweise bin ich auf einem Auge blind und erkenne die Realitäten nicht. Deshalb bin ich dankbar für jeden realistischen Eintrag in mein
Gästebuch

Für die Stadt Bad Reichenhall ist es bezüglich der Immissionen auch anhand der neuen Verkehrsdaten ein Nullsummenspiel, der Dreck bleibt, auch wenn er ein wenig anders verteilt ist. Bisher war er gleichmäßig an der Umgehungsstrasse, dort wird aber der Verkehr um etwa 10-15 % weniger, optimistisch gesehen.
Dafür wird das Kurgebiet Golling vollkommen zerstört, steht auch als Naherholungsgebiet nicht mehr zur Verfügung. Die Obere Stadt, die bisher über die Wiesen des Golling mit Frischluft versorgt wurde, bekommt jetzt höchstens von den 19.900 Fahrzeugen täglich die 20% Abgase, die mindestens an den Tunnelportalen austreten.
Also ist auch dieses Kurgebiet zerstört.
Aber dieses Nullsummenspiel geht nur auf, wenn kein zusätzlicher Verkehr -etwa durch einen Anschluss der B21 bei Schwarzbach- auf die Strecke kommt.

Und es stellt sich auf jeden Fall die Frage, womit der Bevölkerung im Talkessel -und darüber hinaus- mehr gedient ist:

  • Mit einer wirklich echten, realistischen Lösung
    oder
     
  • mit einem Projekt Kirchholztunnel, das wahrscheinlich gar nicht, eventuell zur Hälfte und dann auch nicht vor 2020 kommt.

Denn in den Planfeststellungsunterlagen ist zwar vorgesehen, dass die ganze Maßnahme bis Ende 2017 fertig werden soll. Da beim Erörterungstermin 2001 Herr Göger von der Strassenbaubehörde auf die Frage “Wann wird der Tunnel denn fertig?” zu Protokoll gab, “die geplante Maßnahme ... soll bis zum Jahr 2010 oder 2015 verwirklicht werden”, hege ich hier große Zweifel an den neuen Daten.
Und wenn man den Zeitplan mal ganz realistisch sieht, wird es erheblich länger dauern, als kalkuliert

  • 1. Erörterungstermin im Herbst 2011
    das ist schon mal Geschichte, man will lieber erst die OB-Wahl in Bad Reichenhall abwarten
  • 2. Erörterungstermin im Frühjahr 2012
    da, oder erst im Sommer -laut Auskunft der Staatsregierung erst im Herbst 2012- könnte der erste Erörterungstermin stattfinden
  • Planfeststellung (wenn nichts weiter hinzukommt) Herbst 2012
    auch zu dem Zeitpunkt wird noch nichts entscheidungsreif sein
    Und all das kostet Geld! Unser aller Geld, Steuergeld, wofür?

Bei einem optimalen Ablauf könnte dieses Bauwerk bis 2021 errichtet werden, wäre also noch rechtzeitig bis zur nächsten Olympiavergabe fertig

Wieder ein Jahrzehnt verplempert und nichts erreicht!

Die Stadt Bad Reichenhall -mit wechselnder politischer Führung- hat jetzt dreißig Jahre nichts, aber auch gar nichts getan. Bei allen Beschwerden, Ängsten, Mißmut bezüglich Verkehr, Lärm, Abgase, wurde immer wieder auf das Projekt “Kirchholztunnel” verwiesen.
Aktive Verkehrspolitik wurde ganz einfach vergessen!
Nein, ein Einzelner hat sich immer wieder bemüht, auch wenn es nicht für jeden verständlich war.

Es wäre an der Zeit, aktive Verkehrspolitik für die Bürger der Kurstadt zu betreiben!
Geäußert hat sich dazu konkret bisher niemand
Hat man in Bad Reichenhall bei der nächsten Bürgermeisterwahl wieder keine Wahl?

Interessant war auf jeden Fall die Veranstaltung des “Bund Naturschutz” am 31.05.2011 im alten Feuerhaus in Bad Reichenhall. Der Verkehrsexperte Dr. Hunger hat ein wenig die Arbeit der Verkehrsgutachter erläutert, und in dem Zusammenhang eine bisher nicht aufgezeigte Variante erläutert:
Es bleibt bei der bisherigen Linienführung der B20/B21, dort ist mit der geringen Verkehrsentlastung auch keine Lärmreduzierung zu erwarten. Auf Höhe Festplatz soll dann eine “kleine” Tunnellösung mit Brückenbauwerk über Wappach und Bahn zur Berchtesgadener Straße gebaut werden, damit die Stadt im Bereich Kreisverkehr bis Berchtesgadener Straße entlastet wird. Hier wird mit geringem Aufwand und Flächenverbrauch -daher auch geringe Investitions- und Betriebskosten- eine optimale Lösung erreicht.

Noch ist ein großer Teil der engagierten Bürger damit beschäftigt die Planfeststellungs-Unterlagen zu lesen und Einwendungen zu formulieren. Aber es formiert sich jetzt schon erheblicher Widerstand gegen diese einfach nicht zu rechtfertigende Maßnahme. Und spätestens ab 16.06.2011 wird dieser Widerstand auch öffentlich formuliert werden. Und da wird dann auch gefragt:

Was haben unsere gewählten Vertreter in den Kommunal- Landes- und Bundesparlamenten entschieden? Und warum haben Sie - in voller Kenntnis der Sachlage- so entschieden?

 

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